Zusammenleben

Umgang mit Demenzkranken: Tipps, damit das Zusammenleben gelingt 

Wenn Senioren vergesslich und orientierungslos werden, aggressiv sind oder scheinbar ohne Grund in Panik verfallen, fühlen sich Angehörige überfordert. Gelassen zu bleiben, fällt nicht immer leicht. Was können Angehörige zu Hause tun?  Was ist, wenn es die Eltern betrifft? Es gibt hilfreiche Strategien, wie Sie mit schwierigen Situationen umgehen. Erfahren Sie mehr in diesem Artikel.

 Berührung ist gerade für demente Personen wichtig.
Berührungen sind für demente Personen wichtig. © Kindel Media / Pexels

Umgang mit Demenzkranken – das Wichtigste in Kürze: 

Wer demenzkrank ist, verliert zunehmend das Raum- und Zeitgefühl und persönliche Erinnerungen. Eine eigene Wahrnehmung entsteht, die Betroffene oft nicht äussern können, weil sie nicht mehr die passenden Worte finden. Für Angehörige und andere begleitende Menschen entsteht daher die anspruchsvolle Aufgabe, die Gefühle und das Denken der Person aus ihrem Verhalten abzuleiten.

Wie verhalten sich Menschen mit Demenz?

Im Anfangsstadium merkt die erkrankte Person häufig nicht, dass etwas nicht mehr stimmt. «Es sind vorwiegend die Angehörigen und das Umfeld, die Veränderungen feststellen», erklärt Jacqueline Wettstein, Leiterin Kommunikation und Fundraising der Organisation Alzheimer Schweiz.

  • Bereits im Anfangsstadium nehmen demenzkranke Menschen neue Informationen wie Namen, Daten und Geschehnisse schlechter auf.
  • Betroffene erinnern sich nicht an Termine, Abmachungen und Gesprächsinhalte oder vergessen wichtige Ereignisse.
  • Räumliche und zeitliche Orientierungsschwierigkeiten stellen sich zunehmend ein.
  • Sprachliche Beeinträchtigungen wie Wortfindungsstörungen machen sich ebenfalls bemerkbar.
  • Im weiteren Verlauf der Krankheit können sich Betroffene immer weniger in Raum und Zeit zurechtfinden.

Wie denkt ein Demenzkranker?

Auf welche Art und Weise demenzkranke Menschen denken, ist kaum bekannt. Fakt ist allerdings, dass ihnen das logische Denken immer schwerer fällt. «Dafür nimmt die emotionale Intelligenz im Krankheitsverlauf zu», weiss Jacqueline Wettstein. «Demenzerkrankte spüren und fühlen vieles, können dies aber oft nicht mehr verbal mitteilen.»

Wie kann man einen dementen Menschen beruhigen?

Wenn Betroffene aufgebracht und aggressiv werden, versucht man häufig, sie mit Medikamenten zu beruhigen. Doch besser wirken Aktivitäten im Freien, Massagen und Musiktherapie.  Laut der Ärztezeitung sind diese Massnahmen «wirksamer als Medikamente». 

Haben Demenzkranke ein Zeitgefühl?

Ist es Morgen oder Abend, Tag oder Nacht, Frühling oder Winter? Sich in der Zeit zu orientieren, fällt demenzkranken Menschen zunehmend schwer. Überdies können sie immer weniger zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit unterscheiden. «In einem sehr fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung erlebt sich eine demenzerkrankte Person sehr viel jünger als sie ist, eventuell sogar als Kind», sagt Jacqueline Wettstein. Die Erinnerungen an das eigene Leben würden verblassen: «Zuerst entschwindet, was kürzlich oder in den vergangenen Jahren war, danach auch das, was bereits länger zurückliegt.»

Warum wird das Verhalten von Demenzkranken vorwiegend abends als schwierig erlebt?

Innerliche Unruhe ist primär abends bei demenzkranken Menschen zu spüren. «Die Dämmerung bringt häufig Unsicherheit mit sich», weiss auch Jacqueline Wettstein. Dafür gibt es zwei Gründe:

  • vor der Erkrankung wurde der frühe Abend oft noch aktiv gestaltet. Nun aber, im Pflegeheim, sind die Aktivitätsangebote des Tages bereits vorbei. Demenzerkrankte Menschen können diese Leerzeit als beängstigend empfinden.
  • das Hormon Melatonin, das mit der Dämmerung angekurbelt wird, steuert normalerweise den Tag-Nacht-Rhythmus. Wird die Produktion des Hormons durch die Demenzerkrankung gestört, kommt der Tag-Nacht-Rhythmus ins Wanken und Schlafstörungen können sich einstellen.

Umgang mit Demenzkranken: Das können Angehörige zu Hause tun

Demenzerkrankte Menschen benötigen klare Alltagsstrukturen mit Ritualen und eingespielten Abläufen. «Wie wir alle wollen auch sie in Aktivitäten und Entscheidungen einbezogen sein – das gilt es so lange wie möglich zu erhalten», so die Mediensprecherin.

Was kann man Dementen Gutes tun?

Im Anfangsstadium einer Demenzerkrankung können Angehörige kaum konkret helfen. Der Grund liegt darin, dass die Betroffenen selbst ihre Erkrankung noch nicht erkannt haben. Doch im Beisammensein und bei der gemeinsamen Alltagsbewältigung lassen sich Bindung und Vertrauen vertiefen. Schreitet die Erkrankung vor, ist es wichtig, kompetente Hilfe zum Beispiel durch die Spitex zu organisieren.

Umgang mit Demenzkranken: Was tun, wenn es die Eltern trifft?

Eltern mit Demenz benötigen von ihren Liebsten hauptsächlich Verständnis, Wohlwollen, Zuwendung, Präsenz und Unterstützung. «Für Angehörige heisst das, die demenzerkrankte Person im Alltag gut zu beobachten, wenn nötig das Verhalten und die Umgebung anzupassen und ebenso Unter- und Überforderung zu vermeiden», erklärt Jacqueline Wettstein.

Wie kommuniziert man mit Demenzkranken?

Jacqueline Wettstein nennt folgende elf Tipps, die bei der Kommunikation hilfreich sind:

  • Blickkontakt herstellen
  • sich vor die Person stellen und sich auf gleicher Höhe begegnen
  • räumliche Nähe zur erkrankten Person suchen
  • die Person mit ihrem Namen ansprechen
  • langsam und deutlich sprechen
  • einfache, konkrete Worte und kurze Sätze verwenden
  • Worte durch Gesten und Berührung ergänzen
  • nur eine Mitteilung oder eine Botschaft auf einmal mitteilen
  • klare, einfache Anweisungen geben; auf Erklärungen oder gut gemeintes Zureden verzichten
  • Aussagen und Haltungen nicht korrigieren, sondern bestätigen – dies vermittelt Sicherheit
  • die Person auch berühren. Diese nonverbale Kommunikation wird umso wichtiger, je weiter die Krankheit fortschreitet.

Was sollte man bei dementen Personen vermeiden?

«Es empfiehlt sich, Erkrankten nicht zu widersprechen, weil deren Wahrnehmung sich von der eigenen unterscheidet», sagt Jacqueline Wettstein. Auch sollten keine Versprechungen gemacht werden: «Kann man Versprechungen nicht einhalten, verliert das Gegenüber das Vertrauen.»

Umgang mit Demenzkranken: Welche Probleme es in der Kommunikation gibt

Wer demenzkrank ist, hat Schwierigkeiten, sich für andere verständlich auszudrücken. Gleichzeitig fällt es den Betroffenen schwer, zu verstehen, was andere sagen.

Wie soll man Dementen die Wahrheit sagen?

Wahrnehmungen sind unterschiedlich – und Menschen mit einer Demenz entwickeln krankheitsbedingt oft eine andere Wahrnehmung als ihr Umfeld. Wenn Alzheimer oder eine andere Demenzform fortgeschritten ist, können Erkrankte keine andere Perspektive als die eigene einnehmen. Auch wenn man anderer Meinung ist, lässt sich immerhin glauben, dass sie von dem, was sie wahrnehmen, überzeugt sind. Jacqueline Wettstein: «Oft sind mehrere Sichtweisen möglich. Wichtig ist zu signalisieren, dass diese Sichtweisen Platz haben und okay sind.»

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