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Vitamin-D-Mangel: So decken Ihre Eltern den Bedarf in ihrem Körper

Vitamin D ist ein Hormon, das der Körper bildet. Dafür benötigt er die UV-B-Strahlung der Sonne auf der Haut. Weil UV-B-Strahlung aber auch Hautkrebs verursachen kann, ist es wichtig, beim Sonnenbaden keinen Sonnenbrand zu riskieren. Ein Vitamin-D-Mangel kann sich durch Müdigkeit, Muskelschwäche und diffuse Knochen- und Muskelschmerzen bemerkbar machen. Ein Bluttest gibt über den Vitamin D-Spiegel Aufschluss. 

Lebensmittel mit vitamin-d-gehalt
Nur 10 bis 20 Prozent des Vitamin-D-Bedarfs lassen sich über die Nahrung decken.  ©  happy_lark / iStock / Getty Images Plus

Vitamin-D-Mangel – das Wichtigste in Kürze: 

Sind Ihre Eltern immer müde oder oft abgeschlagen? Möglicherweise liegt die Ursache in einem Vitamin-D-Mangel. Streng genommen ist das Vitamin D gar kein Vitamin, sondern ein Hormon. Der Körper bildet es zu 80 bis 90 Prozent durch Sonnenlicht und nimmt es nur geringfügig über die Nahrung auf. Vor allem im Winter, wenn wir uns selten draussen aufhalten und die Sonneneinwirkung abnimmt, kann ein Mangel auftreten.

Symptome eines Vitamin-D-Mangels

Welche Anzeichen weisen auf einen Mangel hin? Es gibt klassische Symptome für einen deutlichen Vitamin-D-Mangel. Dazu gehören:

  • Muskelschwäche und möglicherweise diffuse Knochen- und Muskelschmerzen
  • Müdigkeit

Weniger müde dank Vitamin D

Das Auffüllen des Vitamindepots kann Abhilfe bei Müdigkeit schaffen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Universitätsspitals Zürich mit 120 gesunden Personen mit niedrigem Vitamin-D-Spiegel. Die Teilnehmenden waren im Durchschnitt 29 Jahre alt und etwas mehr als die Hälfte waren Frauen. Bei denen, die Vitamin D erhielten, verringerte sich das Müdigkeitsgefühl stärker als bei der Placebo-Gruppe. 72 % der Teilnehmenden in der Vitamin D-Gruppe berichteten über eine Besserung ihrer Müdigkeit im Vergleich zu 50 % in der Placebo-Gruppe. 

Ursachen für Vitamin-D-Mangel

Die Haut produziert Vitamin D unter Einwirkung der Sonne, genauer: durch die UV-B-Strahlung. Zu den Ursachen für einen Vitamin-D-Mangel zählen:

  • Wenig Aufenthalt im Freien: Tankt die Haut kaum Sonne, bildet sie zu wenig Vitamin D.
  • Hauttyp: Je mehr Melanin die Haut aufweist oder je dunkler sie ist, desto länger benötigt sie, um genügend Vitamin D zu produzieren.
  • Alter:  Mit zunehmendem Alter wandelt die Haut weniger UV-B-Strahlung des Sonnenlichtes in Vitamin D um. Die Gründe: Die Epidermis wird dünner, wodurch die Umwandlung von UV-B-Strahlung beeinträchtigt wird. Die Konzentration von 7-Dehydrocholesterin, einer Vorstufe für Vitamin D, nimmt ab. Die Anzahl der UV-B-Rezeptoren in der Haut verringert sich und allgemeine stoffwechselbedingte Prozesse können sich verlangsamen.
  • Breitengrad: In höher gelegenen Breiten, wie dem 47. Breitengrad, auf dem die Schweiz liegt, sind die Intensität und Dauer der Sonnenstrahlung oft geringer als in Äquatornähe. Das bedeutet, dass die Bewohnerinnen und Bewohner solcher Regionen weniger direkte UV-B-Strahlung erhalten, insbesondere in den Wintermonaten. Dies kann die körpereigene Produktion von Vitamin D durch die Haut beeinflussen, da die UV-B-Strahlung notwendig ist, um Vitamin D in der Haut zu synthetisieren.
  • Dunkle Jahreszeiten: Während der dunkleren Jahreszeit, besonders im Winter, sind die Tage kürzer und die Sonnenintensität ist geringer, insbesondere in höheren Breitengraden. Daher sind wir weniger der direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt. Wenn wir im Winter nach draussen gehen, sind wir zudem oft dick angezogen und nur wenig Haut ist der Sonne ausgesetzt. Die UV-B-Strahlung, die für die Produktion von Vitamin D in der Haut notwendig ist, kann so nur schwerlich die Haut erreichen. Wenn über den Winter hinweg nicht genug Vitamin D durch die Sonne produziert und auch nicht ausreichend über die Nahrung aufgenommen wird, kann das körpereigene Vitamin D-Depot reduziert werden oder gar aufgebraucht sein.
  • Kleidung und Sonnenschutzmittel: Kleidung und Sonnenschutz verhindern, dass die Haut UV-B-Strahlung aufnimmt. Dennoch ist ein ausreichender Sonnenschutz wichtig. Ein Sonnenbrand oder Sonnenstich sollten jedoch nicht riskiert werden, nur um Vitamin D zu bekommen! Um den Vitamin D-Bedarf zu decken und gleichzeitig die Haut vor schädlichen UV-Strahlen zu schützen, kann man sich täglich für kurze Zeit der Sonne aussetzen, ohne Sonnenschutz. Es ist oft ausreichend, Gesicht, Hände und Arme täglich etwa 10 bis 20 Minuten der Sonne auszusetzen, je nach Hauttyp, Tageszeit, Jahreszeit und geografischer Lage. Zusätzlich können Nahrungsergänzungsmittel und vitamin D-reiche Lebensmittel helfen, den Bedarf zu decken.
  • Chronische Magen-Darm-, Leber- oder Nierenerkrankungen: Solche Krankheiten können für einen Vitamin-D-Mangel verantwortlich sein. Auch einige Medikamente wie Antiepileptika oder Zytostatika beeinträchtigen den Vitamin D-Stoffwechsel. Antiepileptika werden zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt, Zytostatika bei der Krebsbehandlung.

Besonders ältere Menschen sind von einem Vitamin-D-Mangel betroffen.

Wie wird ein Vitamin-D-Mangel festgestellt?

Der Vitamin D-Spiegel im Körper wird durch einen Bluttest bestimmt, bei dem das 25-Hydroxyvitamin D (25(OH)D) gemessen wird, da es der Hauptmarker für den Vitamin-D-Status ist. Für diesen Test wird eine Blutprobe, üblicherweise aus einer Vene im Arm, von einer Ärztin oder einem Arzt oder einer medizinischen Fachkraft entnommen.

  • Ein wünschenswerter Vitamin D-Spiegel liegt laut dem Bundesamt für Statistik bei 20 Nanogramm pro Milliliter (50 Nanomol pro Liter) und höher. 
  • Ein Mangel liegt bei weniger als 12 Nanogramm pro Milliliter (30 Nanomol pro Liter) vor.

Vitamin D-Räuber: Wer sind sie?

Gibt es Vitamin-D-Räuber? «Mir sind keine Genussmittel bekannt, die die Vitamin D-Reserven angreifen würden», antwortet Stéphanie Bieler, Fachexpertin Ernährung bei der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE.  Aber es gibt Faktoren, die die Aufnahme von Vitamin D beeinflussen können oder den Bedarf an Vitamin D im Körper erhöhen. Hier sind einige dieser Faktoren:

Mangelhafte Aufnahme

Eine unausgewogene Ernährung, die nur wenige Vitamin-D-reiche Lebensmittel enthält, kann zu einem Mangel führen. Zu den Vitamin-D-reichen Lebensmitteln gehören fetter Fisch, Lebertran, Eigelb und einige mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel.

Verdauungsprobleme

Einige Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts können die Fähigkeit des Körpers beeinträchtigen, Vitamin D aus der Nahrung zu absorbieren. Dazu gehören Morbus Crohn, Zöliakie und bestimmte Formen von Lebererkrankungen.

Nierenfunktion

Die Nieren sind für die Umwandlung von Vitamin D in seine aktive Form verantwortlich. Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann es zu einem Vitamin-D-Mangel kommen.

Medikamente

Einige Medikamente können die Metabolisierung oder Absorption von Vitamin D beeinflussen. Zu diesen Medikamenten gehören bestimmte Antikonvulsiva, Glukokortikoide, antiretrovirale Medikamente und Medikamente gegen Tuberkulose.

Übermässiger Alkoholkonsum

Es gibt Hinweise darauf, dass chronischer Alkoholmissbrauch den Vitamin D-Metabolismus stören kann.

Warum kann es auch im Sommer zu einem Mangel kommen?

Die Sonne scheint! Doch ein Vitamin-D-Mangel ist auch im Sommer möglich. «Betroffen sind vor allem ältere Menschen«, weiss Stéphanie Bieler. Dafür gebe es zwei Gründe. «Zum einen ist die Vitamin D-Produktion in der Haut aufgrund des Alters reduziert. Zum anderen verlassen ältere Menschen aufgrund eingeschränkter Bewegungsmöglichkeiten seltener das Haus und nehmen damit weniger Sonnenlicht auf.» Sich in hellen Räumen, zum Beispiel im Wintergarten, aufzuhalten, reicht nicht aus. UV-B-Strahlen können nicht durch Fensterscheiben dringen. Es ist direkter Kontakt mit Sonnenlicht im Freien erforderlich.

Auswirkungen eines Vitamin-D-Mangels

Ein Vitamin-D-Mangel gefährdet eine gesunde Knochen- und Zahnbildung und den Erhalt der Knochenmasse. Auch die Muskeln können betroffen sein. So steigt die Gefahr von Stürzen und Knochenbrüchen durch eine geringere Dichte. «Besonders starker Mangel kann Rachitis (Skelettverformung) bei Kindern und Erweichung der normal entwickelten und ausgewachsenen Knochen (Osteomalazie) bei Erwachsenen zur Folge haben», sagt Stephanie Bieler.

Vitamin-D-Mangel und Depression: Gibt es einen Zusammenhang?

Während es Hinweise gibt, die auf einen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und Depressionen hindeuten, ist die genaue Natur dieses Zusammenhangs und ob ein Kausalzusammenhang besteht, bisher nicht eindeutig geklärt. Eine Studie des US-National Institutes of Health aus dem Jahr 2018 hat jedoch festgestellt, dass Vitamin D nicht vor Depressionen schützen kann. 

Haarausfall als mögliche Folge des Vitamin-D-Mangels?

Haarausfall kann eine mögliche Folge eines Vitamin-D-Mangels sein. Es gibt Hinweise darauf, dass Vitamin D für die Funktion der Haarfollikel wichtig sein könnte. Ein Mangel an Vitamin D wurde bei einigen Personen mit Alopecia areata, einer Autoimmunerkrankung, die zu schwerem Haarausfall führt, festgestellt.

Eine Studie aus dem Jahr 2019 im «Journal of Cosmetic Dermatology» untersuchte zudem den Vitamin-D-Status von Patienten mit nicht-vernarbendem Haarausfall. Nicht-vernarbender Haarausfall, auch als androgenetische Alopezie bezeichnet, ist die häufigste Form von Haarausfall bei Männern und Frauen. Die Forschenden fanden heraus, dass ein signifikanter Anteil der Patienten mit nicht vernarbendem Haarausfall einen Vitamin-D-Mangel aufwies, was darauf hindeutet, dass ein solcher Mangel mit dieser Art von Haarausfall in Zusammenhang stehen könnte.

Natürliche Quellen von Vitamin D 

Während der sonnenärmeren Monate, vor allem im Winter, nutzt der Körper die in seinem Fettgewebe gespeicherten Vitamin D-Reserven. Die natürlichen Nahrungsquellen für Vitamin D sind begrenzt.

Lebensmittel, die Vitamin D enthalten: 

  • Fettreicher Fisch: Dazu gehören Lachs, Makrele, Sardinen, Hering und Forelle.
  • Lebertran: Dies ist eine der reichsten natürlichen Quellen für Vitamin D.
  • Eigelb: Eier sind eine praktische Quelle für Vitamin D.
  • Pilze: Bestimmte Pilzarten, insbesondere wenn sie UV-Licht ausgesetzt waren, enthalten Vitamin D.
  • Angereicherte Lebensmittel: Viele Lebensmittel werden mit Vitamin D angereichert, darunter einige Sorten Milch, Pflanzenmilch (z.B. Soja- oder Mandelmilch), Frühstückszerealien und einige Orangensäfte.

«Nur wenige Lebensmittel enthalten von Natur aus Vitamin D», sagt Stephanie Bieler. «Eine Deckung des täglichen Bedarfs allein über die Ernährung wäre nur mit einer sehr einseitigen Lebensmittelauswahl möglich.»

Was hilft schnell bei Vitamin-D-Mangel?

Bei Vitamin-D-Mangel können Vitamin D-Präparate helfen, die in verschiedenen Formen erhältlich sind. Es ist nicht ratsam, auf eigene Faust Vitamin-D-Präparate einzunehmen. Eine Überdosierung von Vitamin D kann gesundheitliche Probleme verursachen. Vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollte man eine Ärztin oder einen Arzt konsultieren, um den tatsächlichen Bedarf und die richtige Dosierung zu ermitteln.

Eien Frau nimmt zwei Tabletten.
Nahrungsergänzungsmittel sollte man nicht auf eigene Faust einnehmen.  © AsiaVision / E+

Wie wirksam sind medikamentöse Optionen? 

Medikamentöse Optionen zur Behandlung eines Vitamin-D-Mangels, oft in Form von Vitamin D3- oder D2-Präparaten, sind generell wirksam und werden häufig verschrieben, um den Mangel auszugleichen. Die Wirksamkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschliesslich der Schwere des Mangels, der Dosierung des Präparats, der Dauer der Behandlung und der individuellen Absorptionsfähigkeit des Körpers.

Wenn der Vitamin-D-Mangel diagnostiziert wird, können hochdosierte Präparate verschrieben werden, um den Mangel schnell zu korrigieren. Anschliessend kann eine Erhaltungsdosis empfohlen werden, um einen normalen Vitamin D-Spiegel aufrechtzuerhalten. Es ist wichtig, die Einnahme unter ärztlicher Aufsicht zu erfolgen, um Nebenwirkungen oder Überdosierungen zu vermeiden. Regelmässige Bluttests sind erforderlich, um den Vitamin D-Spiegel zu überwachen und sicherzustellen, dass er innerhalb des gewünschten Bereichs bleibt.

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